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Die Geschichte Ungarns: Eine Anreihung von
Unglücksfällen oder eine Falschinterpretation?
Wir sind im Jahre 1526 in der Nähe von Mohács. 150 000
türkische Soldaten aus allen Teilen des Ottomanischen Reiches stehen einem
kleinen Heer von mutigen aber durch innere Streitigkeiten dezimierten Ungarn
gegenüber. Die Türken hatten keine besondere Taktik. Sie waren meist
Religionsfanatiker oder hatten sich aus Opportunismus dem Stärkeren
angeschlossen und rannten im offenen Gelände einfach in tiefen Reihen auf
fast endloser Länge dem Feind entgegen. Die Ungarn hatten keine Chance. Durch
die Nachricht der Niederlage verließen viele Ungarn ihr Heimatland, um nicht
in die Hände der Heiden zu fallen. Natürlich wurden einige verschleppt und
als Sklaven verkauft, aber die Türken waren nicht mehr Barbaren, als die
Christen. Bei den Türken gab es zum Beispiel keine Inquisition; Wenn man
bisschen mehr Steuern bezahlte, konnte man durchaus seine Religion weiterhin
frei ausüben, was im christlichen Europa überhaupt nicht möglich war. Zudem
war es für die Türken wichtig, dass eine genügend große Zahl an Bewohnern vor
Ort blieb, um das Land zu bewirtschaften und später Steuern bezahlen zu
können. Ich persönlich hätte als liberaler wahrscheinlich lieber unter
türkischer Herrschaft gelebt, als unter dogmatischer christlicher. Damit fiel
die erste Lüge der ungarischen Geschichtserzählung.
Das eins so ruhmreiche, aber ziemlich instabile Reich des
Königs Mathias wurde in 3 Teile geteilt. Eine türkische Provinz in der Mitte
und im Süden, eine österreichische Provinz im Nordwesten und ein relativ
souveräner Teil im Nordosten im Schutz des Karpatengebirges. Die Türken
hätten auch diesen Teil erobern können, aber das ottomanische Reich war schon
zu groß und unkontrollierbar geworden. Und genau in diesem von den Türken
abhängigem Teil blühten die Kultur und die Künste. Die dort herrschende
Religionsfreiheit zog sehr viele kluge Köpfe an und da die Österreicher die
ungarische Krone nicht herausrücken wollten, gaben sie sich den Namen
„Fürstentum von Siebenbürgen“. Aber irgendwann sollte dieses Idyll enden und
das „rechtgläubige“ Österreich besetzt und zerstörte alles.
Manchmal gaben der Habsburger dem Ungarn das Gefühl,
etwas Besseres zu sein, als die umliegenden slawischen Völker, besonders wenn
ein Krieg ausgebrochen war und es dessen Hilfe bedurfte. Wer würde auch von
einem Kaiser erwarten, sich selbst zu erniedrigen, indem er betont, auch noch
zweimal König zu sein, der von Ungarn und Tschechien.
Der sogenannte große Freiheitskampf von 1848/49 war Teil
eines Sturmes, der durch ganz Europa fegte und das Restaurationsfundament von
1816 fast aus den Angeln hob. Der Nationalismus war entstanden und somit auch
der Fremdenhass. Die Ungarn waren gegenüber den mit ihnen zusammenwohnenden
Völkern nicht gerade tolerant und wunderten sich, dass diese ihnen gegen die
Österreicher nicht helfen wollten.
Der letzte große gemeinsame Krieg in den auch der die
ungarischen Staatsgeschäfte verwaltende Tisza István nicht ohne Enthusiasmus
eintrat, brachte den Zusammenbruch Österreichs und die Freiheit der Völker
dieser Region. Mit Trianon gelangte Ungarn endlich zu einem souveränen Staat.
Obwohl die Ungarn durchaus hätten froh sein müssen, beklagten sie sich. Von
Mohács bis Trianon hatte es Ungarn nur als Region oder Gebiet und jetzt war
es plötzlich wieder ein souveränes Land mit einer eigenen Regierung und
wählte fast sofort, wie viele andere Länder zu jener Zeit einen
faschistischen Horthy, der es dann auch gleich zum Mitschuldigen am 2.
Weltkrieg machte.
Was wäre wohl geschehen, hätten diese nationalistischen,
intoleranten Ungarn einen Mathias-Staat mit all den verschiedenen
Volksgruppen erhalten? Das Schlachten, das die Südslaven mit Hinzugabe von
Albanern untereinander anrichteten, hätte dann mit Sicherheit die Ungarn
dezimiert.
Man kann es den Menschen nicht verübeln, wenn sie gut
oder wenigsten normal leben wollen und aus diesem Grund alle möglichen
Kompromisse mit der jeweiligen, regierenden Klasse eingehen. Aber dass heute
alle Helden gewesen sein wollen, wirkt auf einen erfahrenen, denkenden
Außenstehenden durchaus störend oder verwirrend, wenn nicht sogar lächerlich.
Die Ungarn haben zur Horthy Zeit alle mitgeholfen die Juden einzusammeln, um
sich deren Vermögen und Wohnungen zu sichern. Sie verehren heute und haben
damals einen Horthy verehrt, der einen Pakt mit einem Hitler schloss, dessen
Plan es war, auch das ungarische Volk zuerst zu versklaven und dann zu
vernichten.
Die Ungarn haben bis heute nichts gelernt. Aber wann
hätten sie denn auch Freiheit und Selbstverantwortung lernen sollen?
Machtgierige Könige, Türken, Habsburger, Horthy-Faschismus, Kommunismus, 20
Jahre Freiheit, Orbanismus – das ist die Bilanz. Der einzige kleine
Lichtschimmer ist die Europäische Union. Aber es gibt heute mehr Widerstand
gegen diese demokratische Organisation, als gegen Hitler im 2. Weltkrieg.
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Else
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Mittwoch, 24. Dezember 2014
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